Position beziehen – Nicht nur, aber auch auf der Buchmesse

Ja, wir müssen reden. Aber nicht mit Rechten, sondern über rechte Ideologien und ihre Vertretungen. Und nicht über Betroffene von Diskriminierung und Gewalt, sondern mit ihnen. Und über gesellschaftliche Alternativen.

In der Dezemberausgabe des Börsenblatts befindet sich ein ganzer Schwerpunkt zu der Frage, wie mit Rechten in der Buchbranche umgegangen werden muss – nicht zuletzt auf den großen Veranstaltungen. Wie in den vergangenen Jahren werden auf der Leipziger Buchmesse auch wieder das Compact Magazin und die Junge Freiheit anzutreffen sein, mit weiteren rechten Akteuren und Institutionen ist zu rechnen. Jürgen Elsässer, Chef von Compact, sagte kürzlich auf deren diesjähriger Konferenz, dass er die Leipziger Buchmesse für die Meinungsfreiheit zurückerobern wolle – eine klare Kampfansage also, mit der sich ernsthaft auseinandergesetzt werden muss, bevor der Begriff der Meinungsfreiheit endgültig pervertiert ist und Tabubrüche, Beleidigungen und menschenverachtendes Gedankengut zur Tagesordnung werden.

Keine Rechten auf unseren Bühnen!

Auf den Messen wird eine Auseinandersetzung um Positionen stattfinden, wie auch an vielen anderen Orten. Dass es aber von manchen als Chance verstanden wird, gerade rechte Positionen, also rassistische, sexistische oder schlicht menschenverachtende Haltungen auf der Bühne sichtbar zu machen, um sich dann mit ihnen auseinanderzusetzen, ist doppelt falsch.
Es ist eine Einladung an die rechten Medien, ihre Ideologie möglichst widerspruchslos zu verbreiten. Und genauso ist es eine Ausladung an all jene, die nicht in das Weltbild der Rechten passen – Frauen, die für ihre Rechte kämpfen, Geflüchtete, vermeintliche Muslima/e, Menschen mit Behinderung, LGBTIQ* und viele mehr. (Siehe: Kein Dialog mit Rechten)
Rechte bekommen bereits heute mehr als genügend Aufmerksamkeit, jeder ›Eklat‹, jede Provokation von der AfD wurde in den letzten Jahren in den Medien umfangreich präsentiert. Seit 2015 werden Rechte bei allen möglichen Fragen zu Geflüchteten in Talkshows geladen. Die ganz reale Gewalt auf der Straße von rechts nimmt währenddessen zu (Siehe: Chronik flüchtlingsfeindlicher Vorfälle). Eine differenzierte Diskussion scheint nicht mehr möglich, das Ziel scheint zu sein, rechtes Gedankengut zu verankern.
Die gesellschaftliche Polarisierung birgt jedoch eine Chance, denn sie ist ein Weckruf: Positioniert euch heute! Stellt euch gegen das Erstarken der Rechten und diskutiert über die Alternativen zum Rechtsruck, für eine offene und freie Gesellschaft.
Das Bündnis #verlagegegenrechts stellt eine Plattform für diese Diskussionen dar, mehr als 45 Verlage und über hundert Einzelpersonen und Initiativen schlossen sich bereits dem Statement an (Siehe: Mehr als 45 Verlage und 100 Einzelpersonen/Initiativen unterzeichnen Statement gegen rechte Hetze auf der Leipziger Buchmesse).
Niemals sollten menschenverachtende Positionen dadurch legitimiert werden, dass sie als Teil einer demokratischen Debatte dargestellt und Rechte wie völlig normale Diskussionsteilnehmer*innen behandelt werden. (Siehe: Mit Rechten reden?)
Wenn der ideologische Einfluss der Rechten zurückgedrängt werden soll, sind Alternativen, vor allem soziale, unabdingbar. Nicht mit Rechten zu reden darf nicht dazu führen, dass Ängste, die auf realen Problemen beruhen, als rassistisches Hirngespinst abgetan werden. Die Angst um den Arbeitsplatz, die Ausbildung der Kinder, die maroden Schulen, die Rente, das schlechte Gesundheitswesen usw. sind real. Schuld daran sind jedoch nicht Migrant*innen, sondern das soziale System.
Diese Ursachen müssen vermittelt werden, auch im Gespräch mit den Wähler*innen der AfD.

#verlagegegenrechts heißt aktiv werden

Bis zum 1. Dezember 2017 haben 45 Verlage und über einhundert Einzelpersonen und Initiativen aus der Buchwelt ihre Unterschrift gegeben und klargemacht: Wir wollen den rechten Auftritt in Leipzig nicht ohne Widerspruch hinnehmen. Kolleg*innen und Besucher*innen der Frankfurter Buchmesse berichteten dieses Jahr, dass die Anwesenheit von „Identitären“ und rechten Verlagen als Bedrohung empfunden wurde. Das ist eine unerträgliche Situation.
Deshalb wollen wir gemeinsam auf der Leipziger Buchmesse eine Atmosphäre der Offenheit und Solidarität für Anwesende schaffen. Um das zu erreichen, wird Unterstützung von anwesenden Verlagen und auch Besucher*innen nötig sein. Wir werden unsere Ablehnung rechter Ideologien sichtbar machen. Wir werden mit möglichst vielen Menschen in den Dialog treten und eine Veranstaltungsreihe an verschiedenen Orten auf der Messe und in Leipzig präsentieren.
Wir werden uns dem medialen Aufmarsch der Rechten entgegenstellen. Ohne ihnen eine Bühne zu bieten.

Wenn Ihr mit uns aktiv werden oder anders unterstützen wollt, schreibt uns: verlagegegenrechts@gmail.com

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