Aufruf zum Unterschreiben unseres Statements

(Dies ist unser aktualisiertes Statement. Wir rufen nun aufgrund zahlreicher Bitten erneut zum Unterschreiben auf. Wer sich anschließen möchte, schreibt bitte an verlagegegenrechts@gmail.com. Unterschreiben können natürlich nicht nur Verlage, sondern auch Einzelpersonen, Institutionen, Vereine etc. Die bereits geleisteten und veröffentlichten Unterschriften werden übernommen, sofern dem nicht widersprochen wird. Herzlichen Dank an alle Unterstützer*innen!)

Als sich die Kampagne „Verlage gegen rechts“ gründete, war das der längst überfällige Versuch, die Präsenz rechter und rechtsradikaler Verlage auf den Buchmessen institutionell zu skandalisieren. Mit guter Medienresonanz und einer Fülle stark besuchter Veranstaltungen gelangen bei verschiedenen Messen in Leipzig und Frankfurt Programme, die die Unangemessenheit der lautstarken Auftritte von rechts zeigten und sachliche Diskussionen mit eigenen Inhalten dagegen stellten. Trotz dieses Erfolgs lautet unsere Bilanz: Das reicht uns nicht!

In Deutschland wie europa- und weltweit erleben wir täglich beängstigende Ressentiments und menschenfeindlichen Rassismus. In dieser Situation ist es uns unbegreiflich, dass sich so viele, die in unserer Buchbranche arbeiten, weiterhin nicht positionieren, geschweige denn engagieren.

Sich gezielt unpolitisch zu geben, rechte Argumentationslinien zu verwenden oder nach rechts unabgegrenzte Programmarbeit zu machen, stärkt diejenigen, die eine tolerante und demokratische Weltanschauung attackieren und unterminieren. Die deutsche Verlagslandschaft hat sich jahrzehntelang kritisch mit dem Nationalsozialismus, seinen Ursachen und Folgen auseinandergesetzt. Umso unerklärlicher, dass die Gefahr der sich ausbreitenden faschistischen Tendenzen unterschätzt wird. Während tausende Menschen im Mittelmeer in den Tod getrieben werden und uns täglich „die Fähigkeit des Menschen zur Unmenschlichkeit“ (Rosa Luxemburg) vor Augen geführt wird, kommt das Humane, was Literatur ausmacht, zu kurz.

Verlagsarbeit heißt in unseren Augen, die Welt zwischen zwei Buchdeckel zu bringen, die Perspektiven von Menschen aus allen möglichen Ländern zu beleuchten und gerade die Stimmen der Unterdrückten und der Andersdenkenden vernehmbar zu machen. Abschottung ist in einer Branche, in der jährlich tausende Titel aus anderen Sprachen übersetzt werden, schlechterdings die Antithese.

Während der Kampagne ist uns allzu oft das Wort Meinungsfreiheit entgegengehalten worden, wie auch die Forderung, mit rechten Demagog*innen und Aufhetzer*innen zu reden. Doch was geschieht, wenn rechte Hetzparolen eine Bühne bekommen, können wir nun beobachten. Die Rechten etablieren sich und halten ihre Position für den Mainstream, sie gewinnen Wahlen und Macht, sie bereiten den Boden für Gewalt und Mord.

Wir fordern dagegen offene Grenzen in den Köpfen und zwischen den Staaten und Solidarität mit allen Schwächeren auf dieser Welt. Wir wollen, dass alle hier Lebenden sozial und politisch gleichgestellt werden. Es sind genug Mittel für ein würdiges Leben für alle da, aber statt beispielsweise Geld in Infrastruktur zu investieren, werden Milliardengeschäfte mit Waffen gemacht.

Und es kann nicht sein, dass wir nur reagieren: Wir sollten den Diskurs bestimmen, da wir Argumente haben und nicht, wie die Rechten, nur Ressentiment. Wir wünschen uns eine andere Welt und wir wünschen uns, dass alle Verlage ihre Aufgabe darin sehen, ihrer Rolle als geistige Inspiratoren auf dem Weg dorthin gerecht zu werden!